Science Corporation, ein Biotech-Startup unter der Leitung des ehemaligen Neuralink-Präsidenten Max Hodak, verändert das Paradigma der Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCIs). Das Unternehmen wendet sich von herkömmlichen Metallsonden ab und bereitet die Durchführung seiner ersten Versuche am Menschen mit einem Biohybrid-Ansatz vor – einer Methode, die die Lücke zwischen digitaler Elektronik und lebender Biologie schließen soll.
Eine neue biologische Grenze
Die Kerninnovation liegt im „Biohybrid“-Sensor des Unternehmens. Während Branchenführer wie Neuralink starre Elektroden verwenden, um in Gehirngewebe einzudringen, zielt Science Corp. darauf ab, im Labor gezüchtete Neuronen direkt in ihre Hardware zu integrieren.
Die Vision, die von Chief Science Officer Alan Mardinly und wissenschaftlichem Berater Dr. Murat Günel (Lehrstuhl für Neurochirurgie an der Yale Medical School) vertreten wird, besteht darin, ein Gerät zu entwickeln, bei dem:
– Elektronik sorgt für Rechenleistung und Datenaufzeichnung.
– Im Labor gezüchtete Neuronen fungieren als biologische Brücke und integrieren sich auf natürliche Weise in die eigenen Gehirnzellen des Patienten.
– Lichtimpulse werden verwendet, um diese Neuronen zu stimulieren und so eine organischere Kommunikation mit dem Gehirn zu ermöglichen.
Dieser Ansatz behebt einen kritischen Fehler in der aktuellen BCI-Technologie: Gewebeschäden. Herkömmliche Metallelektroden verursachen oft Narbenbildung und Entzündungen, die mit der Zeit die Leistung des Geräts beeinträchtigen können. Durch den Einsatz biologischer Komponenten hofft Science Corp., eine stabilere und langlebigere Verbindung herzustellen.
Die Strategie für Menschenversuche
Das Unternehmen geht einen pragmatischen und hochkalkulierten Weg in Richtung menschlicher Tests. Anstatt die sofortige FDA-Zulassung für eine neue Geräteklasse anzustreben, planen sie, sich an Patienten zu wenden, die bereits eine größere Neurochirurgie benötigen.
Die klinische Roadmap:
- Zielgruppe: Patienten, die sich einer Kraniotomie unterziehen (z. B. Schlaganfallpatienten, die eine Hirnschwellung reduzieren müssen), sind die Hauptkandidaten.
- Das Verfahren: Anstatt das Gehirn zu durchbohren, wird der Sensor – der ungefähr die Größe einer Erbse hat und 520 Elektroden enthält – oben auf der Hirnrinde im Schädel platziert.
- Anfängliches Ziel: In der ersten Phase wird eine Version des Sensors ohne eingebettete Neuronen getestet, um seine Sicherheit und seine Fähigkeit zur effektiven Aufzeichnung der Gehirnaktivität zu bewerten.
Von der Wiederherstellung des Sehvermögens bis zur Behandlung von Parkinson
Science Corp. ist kein Neuling in der Medizintechnik. Das Unternehmen hat kürzlich PRIMA erworben, ein Gerät zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei Patienten mit Makuladegeneration, das derzeit in Europa auf dem Weg zur behördlichen Zulassung ist.
Das langfristige Ziel für Hodak und sein Team ist jedoch viel ehrgeiziger: Verbesserung des Menschen und Umkehrung der Krankheit.
„Ich stelle mir dieses Biohybridsystem als eine Kombination von [Elektronik und Biologie] vor“, sagt Dr. Günel. „Bei Parkinson … können wir das Fortschreiten der Krankheit nicht aufhalten … Wenn es aber gelingt, die [transplantierten] Zellen wirklich wieder ins Gehirn zurückzubringen und diese Schaltkreise zu schützen, besteht die Chance … dass wir das Fortschreiten stoppen können.“
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig:
– Neurologische Überwachung: Bereitstellung von Frühwarnungen vor Anfällen bei Tumorpatienten.
– Regenerative Medizin: Verwendung elektrischer Stimulation zur Förderung der Heilung beschädigter Rückenmarks- oder Gehirnzellen.
– Krankheitsmanagement: Über das bloße Maskieren von Symptomen (wie Zittern bei Parkinson) hinaus geht es hin zum tatsächlichen Schutz und der Reparatur neuronaler Schaltkreise.
Der Weg in die Zukunft
Trotz der Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar und erfolgreichen Tests an Mäusen ist der Weg zu einer breiten klinischen Anwendung noch lang. Das Unternehmen muss den Prozess der Züchtung medizinischer Neuronen noch verfeinern und sich in komplexen medizinischen Ethikgremien zurechtfinden. Dr. Günel schlägt vor, dass selbst bei einem optimistischen Zeitplan die Versuche am Menschen möglicherweise erst 2027 beginnen.
Schlussfolgerung: Durch die Kombination von im Labor gezüchteter Biologie mit digitalen Sensoren versucht Science Corp., die BCI-Technologie von der „Erkennung“ von Gehirnsignalen zur „Integration“ mit ihnen zu bewegen und so Neuroprothesen möglicherweise von einfachen Werkzeugen in regenerative Therapien umzuwandeln.
