Vor dem 20. Jahrhundert bedeutete das Leben im ländlichen Amerika, die Isolation zu akzeptieren. Als Bauer bekam man die Post nicht direkt vor die Haustür. Für dieses Privileg musste man zu einem entfernten Postamt wandern oder private Expressunternehmen bezahlen. Es war unbequem und teuer. Das änderte sich, als die Vereinigten Staaten Rural Free Delivery einführten, einen Dienst, der 1896 eingeführt wurde und die Beziehung zwischen Bauernfamilien und dem Rest des Landes grundlegend veränderte.
Der Anstoß für diese Änderung kam nicht über Nacht. Seit 1863 genossen Städte die kostenlose Postzustellung. Landbewohner warteten mehr als zwanzig Jahre auf den gleichen Luxus. Der National Grange setzte sich unermüdlich für die Ausweitung dieser Dienste ein. Es bedurfte politischen Drucks, um den Status quo endgültig zu durchbrechen.
Der politische Kampf hinter dem Dienst
Eine Schlüsselrolle spielte Thomas E. Watson, ein Kongressabgeordneter aus Georgia. Bereits 1893 setzte er die Gesetzgebung für ein RFD-System durch. Doch der Widerstand war heftig. Lokale Ladenbesitzer fürchteten die Konkurrenz durch Versandhändler. Sie setzten sich dafür ein, den Gottesdienst zu verzögern. Ihre Bemühungen funktionierten, zumindest für ein paar Jahre.
Die ersten fünf Fahrer fuhren erst im Oktober 1896 auf die Straße. Sie starteten im ländlichen West Virginia. Es war ein bescheidener Anfang. Eine Handvoll Spediteure liefern Briefe an abgelegene Bauernhöfe. Aber das Modell erwies sich sofort als wirksam.
Die Expansion erfolgte rasch. Im Jahr 1898 kündigten Beamte des Postamtes einen einfachen Weg zur Erweiterung an. Jede Gruppe von Landwirten könnte eine kostenlose Lieferung erhalten. Sie mussten lediglich eine Petition senden. Die Petition erforderte eine Beschreibung ihrer Gemeinde und Straßen. Es musste auch zu ihrem Kongressabgeordneten gehen.
Die Schleusen der Petition öffnen sich
Die Reaktion der Landwirte war überwältigend. Die Flut an Petitionen war erschütternd. Bis 1905 verwaltete das Postamt 32.000 RFD-Routen. Dabei ging es nicht nur um Bequemlichkeit. Es ging um Integration.
Das System verband isolierte Gemeinden mit nationalen Trends. Vor RFD waren die Landbewohner oft vom zeitgenössischen Denken und der Mode abgeschnitten. Der Postbote wurde zum Vermittler der Moderne. Er brachte Zeitungen, Zeitschriften und Kataloge aus städtischen Zentren mit.
Die Wirkung ging über persönliche Briefe hinaus. 1913 wurde das RFD-System durch Paketpost ergänzt. Dieser Zusatz ermöglichte die effiziente Lieferung schwererer Güter. Die Folge war ein Boom der Versandhäuser. Sears und andere Giganten wuchsen massiv, indem sie diese Routen nutzten.
Aber die sozialen Auswirkungen waren wohl bedeutender. Familien auf dem Land waren nicht länger isoliert. Sie waren Teil der amerikanischen Erzählung des 20. Jahrhunderts. Sie sahen, was andere kauften. Sie lesen die gleichen Nachrichten. Sie teilten die gleichen kulturellen Prüfsteine.
Haben sich die Befürchtungen der Ladenbesitzer bewahrheitet? Ja, der Versandhandel hat sein Monopol untergraben. Aber auch die Isolation endete. Die ländliche Erfahrung war keine eigenständige Existenz mehr. Es wurde Teil eines zusammenhängenden Ganzen.
Die Infrastruktur für die Verbindung war aufgebaut. Es begann mit Briefen. Weiter ging es mit Paketen. Es endete mit einem Gefühl der Zugehörigkeit zu einer größeren Gesellschaft. Die Straßen wurden kartiert. Die Routen wurden festgelegt. Der Rest war Geschichte.
Oder vielleicht auch nur der Beginn der Neuzeit.

































